Wo Abfall zu Niederrhein-Gold wird:

Niederrhein GoldKreis Wesel. Wie genau der Abfall zu hochwertigem Recyclingmaterial wird, erfuhren Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion in der vergangenen Woche beim Besuch der Recycling-Firma in Hünxe-Buchholtwelmen.
Auf ihrem Betriebsgelände an der Lise-Meitner-Straße verwertet die HDB-Recycling GmbH mineralische Abfälle, vor allem Bauschutt und Boden, heute noch konventionell durch Sieben und Brechen. Nach Aussage des HDB-Geschäftsführers Mirco Ćurić, wird aktuell jedoch nur ein verschwindend geringer Bruchteil der angelieferten mineralischen Abfälle nach der Aufbereitung in der Asphalt- und Betonherstellung eingesetzt. Der Großteil der Abfälle werde als Verfüllung für Abgrabungen, im Deponiebau und als Schotter im Straßenbau genutzt.

Das soll sich nun ändern. „Wir denken Recycling weiter und wollen langfristig, im Rahmen eines integrierten Forschungsprojekts, die wirklich großen Fragestellungen beantworten.“ Dazu zählt Ćurić nach eigener Aussage auch den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft oder das Schließen des Kohlenstoffkreislaufs. „Als kleineres, innovatives Unternehmen können wir Ideen umsetzen, die anderswo in den Schubladen liegen bleiben, weil damit unter Umständen ein zu großes unternehmerisches Risiko verbunden wäre,“ führt er weiter aus, und sieht sein Unternehmen an der Stelle als notwendigen „Inkubator“ für Innovationen.

Für die HDB-Recycling steht jedoch ab Juni zunächst der Aufbau der „R-Gestein“ Anlage auf dem benachbarten Grundstück an der Emil-Fischer-Straße an. Dieses von der EU geförderte Projekt habe, so Ćurić, das Potential, zwei Kieswerke zu ersetzen, denn mit den dort produzierten Gesteinskörnungen lasse sich Qualitätsbeton für fast alle herkömmlichen Bauvorhaben herstellen. Das zur Betonherstellung benötigte „Niederrhein-Gold“, wie Ćurić den Kies in der Körnung zwischen 2 und 8 mm scherzhaft nennt, könne die Firma dann mit Hilfe ihrer Brechanlage in großen Mengen herstellen. „An diesem Punkt haben wir einen entscheidenden Vorteil gegenüber der herkömmlichen Kieswirtschaft, die sich mit der natürlich im Boden vorkommenden, erfahrungsgemäß geringeren Menge an 2-8 zufriedengeben muss.“

Mit von der Partie war auch die aktuelle Landtagskandidatin der SPD im Kreis Wesel, Kerstin Löwenstein. Für Löwenstein, die als sachkundige Bürgerin für den Bereich Planung und Umwelt ebenfalls Teil der SPD-Kreistagsfraktion ist, war es nicht der erste Besuch in den Räumlichkeiten und auf dem Gelände der HDB Recycling GmbH. Sie begleitet die Entwicklung der Hünxer Recycling-Gesellschaft bereits seit längerem und ist daher bestens über die anstehende Erweiterung der Recyclinganlage informiert. „Die Bauwirtschaft boomt und braucht beständigen Nachschub an Rohstoffen.“ Um Umwelt und Landschaft zu schützen, so Löwenstein, müsse sich eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft etablieren. „Die Ausweitung der Anlage und des Betriebsgeländes wird die Möglichkeiten zur Kies-Sand-Substitution im Bausektor revolutionieren. Ich bin überzeugt, dass Projekte wie die „R-Gestein“-Anlage der Schlüssel zu einer nachhaltigen Rohstoffversorgung sind.“

„Ein schneller Ausstieg aus der Auskiesung ist möglich," ist sich auch Gabriele Gerber-Weichelt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Kreistags-SPD sicher. „Davon konnten wir uns heute vor Ort überzeugen.“ Das aktuelle Urteil des OVG Münster zum Sand- und Kiesabbau am Niederrhein habe dem Thema Recycling von Baustoffen zu neuem Schwung verholfen. Der müsse jetzt genutzt werden.