Netzwerk Sektenausstieg hilft Betroffenen

**Leserbrief**
Nett gekleidete Herren oder Damen, mitunter auch Kinder, klingeln samstags morgens an Ihrer Tür und wollen über ihren Glauben sprechen: Die Zeugen Jehovas.In der Wahrnehmung der Meisten scheinen Zeugen Jehovas nette, höfliche Menschen zu sein. Mitunter reden sie von Dingen, die befremdlich wirken.

Wer weiß schon, dass sich hinter dieser freundlichen Fassade eine ganz andere Seite verbirgt. Wenn am Samstagmorgen mal wieder die Zeugen Jehovas an Ihrer Türe stehen, fragen Sie sie doch einmal, wie sie [nicht nur] mit ehemaligen Mitgliedern ihrer Religion umgehen, wenn diese etwas abweichende Meinungen vertreten. Sie werden erstaunt sein.
Die Toleranz, die Zeugen Jehovas für sich und ihre Glaubensansichten einfordern, bezieht sich allein auf diese Gemeinschaft als religiöse Minderheit, die der Staat zu schützen habe. Fragt man jedoch nach der Toleranz innerhalb der Reihen der Zeugen Jehovas oder gegenüber ehemaligen Mitgliedern, bleibt davon nicht mehr viel übrig.

Wie sieht das in der Praxis aus?
Hält sich jemand nicht an die Regeln der Religionsgemeinschaft oder verlässt jemand die Religionsgemeinschaft aus freien Stücken, wird seitens der gläubigen Familie und aller Freunde innerhalb der Gemeinschaft der Kontakt sofort und vollständig abgebrochen.
Die totale Isolation unter dem Deckmantel der Liebe. Gläubige werden ermahnt, mit einem solchen Menschen nicht mehr zu sprechen, geschweige denn ihn zu grüßen.

Stellen Sie sich das bitte einmal vor: Sie leben womöglich ein halbes Leben lang in dieser Religion und verlieren von einem Tag auf den anderen Ihr komplettes soziales Umfeld und Ihre Familie, nur weil Sie mit einer Lehre nicht mehr konform gehen oder schlichtweg nicht mehr daran glauben.
Nicht selten führt dieses Verhalten zu Depressionen oder Suizidgedanken.

Ein solches Verhalten hat natürlich auch ein Ziel: "Umkehr". Der "Sünder" soll "zurückkehren" und seine Taten "bereuen", was mitunter bedeutet, dass man als "Zeichen der Reue" über ein Jahr schweigend an den wöchentlichen Zusammenkünften (Bibelstunden) teilnimmt, ehe über eine "Wiederaufnahme" in die Gemeinschaft überhaupt gesprochen werden kann.

Das sieht dann in der Praxis wie folgt aus:

  • Der Ausgeschlossene darf frühestens wenige Minuten vor Programmbeginn den "Königreichssaal" betreten.
  • Er hat dann sofort wort- und grußlos in der letzten Stuhlreihe Platz zu nehmen.
  • Nach Programmschluss hat er sofort - ebenfalls wort- und grußlos - den Saal zu verlassen, damit niemand in Verlegenheit gebracht wird, ihm zuzulächeln oder ihn gar zu begrüßen.


Wie gesagt, diese entwürdigende Tortour muss der "Sünder" ein ganzes Jahr klaglos über sich ergehen lassen, ehe er wiederaufgenommen werden kann.
Wenn Sie also in den nächsten Wochen eine Einladung zu einem der "Bezirkskongresse" der Zeugen Jehovas erhalten, denken Sie darüber nach, wie es den zig Tausend ehemaligen Mitgliedern geht, die von jetzt auf gleich ihr komplettes soziales Umfeld verloren haben. Über Glaubensinhalte lässt sich streiten, über intolerantes Verhalten nicht!

Autor: Netzwerk Sektenausstieg e.V. www.sektenausstieg.net

Zum Download: Informationsflyer Netzwerk Sektenausstieg e.V.