Erstes Expertentreffen zum Thema „Weltraumlage“

Kalkar. Wissen, was im Weltall passiert, welcher Satellit sich wann und wo befindet, welchen Gefahren er ausgesetzt ist und welche Risiken mit einem möglichen Wiedereintritt verbunden sind – das sind die Aufgaben des Weltraumlagezentrums der Luftwaffe am Standort Kalkar / Uedem.
Am 29. April 2010 trafen sich zu diesem Thema zum ersten Mal rund 50 Experten in der von-Seydlitz-Kaserne in Kalkar. Bemerkenswert schon die Zusammensetzung der Teilnehmer: Neben Fachleuten der Bundeswehr waren namhafte Vertreter verschiedener Forschungseinrichtungen wie vom Fraunhofer-Institut, der Max-Planck-Gesellschaft oder der Technischen Universität Braunschweig und der Industrie vor Ort.

Ganz im Sinne des ressortübergreifenden Ansatzes des Weltraumlagezentrums folgten der Einladung auch Vertreter aus dem Innenministerium, dem Verkehrsministerium und dem Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Das Treffen trug der Tatsache Rechnung, dass die heutige Gesellschaft vom ordnungsgemäßen Betrieb dieser Systeme im Weltraum abhängig ist, diese aber zahlreichen Gefahren im Weltraum ausgesetzt sind.
Die Konsequenzen für das tägliche Leben ohne die Dienste, die durch raumbasierte Systeme bereitgestellt oder zumindest unterstützt werden, beispielsweise ohne Mobilfunk, Navigationssysteme oder Satellitenfernsehen, sind kaum vorstellbar.

Ziel der gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) und dem Weltraumlagezentrum durchgeführten Gesprächsrunde war es, Vertreter dieser unterschiedlichen Bereiche und Ressorts künftig in jährlichem Rhythmus an einen Tisch zu bringen, um aktuelle Fragen zum Schutz von weltraumbasierten Infrastrukturen und möglichen Rückwirkungen auf die Einsatzkontingente der Bundeswehr, sowie den Schutz des eigenen Territoriums und der Bevölkerung zu erörtern.
Hintergrund: Satelliten im Weltall sind ständiger Bedrohung ausgesetzt, entweder mit einem anderen Satelliten oder mit sogenanntem Weltraumschrott zu kollidieren. Zusätzlich können Einflüsse aus dem Bereich des Weltraumwetters die Funktionsfähigkeit stark beeinträchtigen und sogar zu Fehlfunktionen in terrestrischen Netzen führen.

Aufgrund der immensen Bedeutung des Weltraums und der Satelliten nicht nur für den Staat, sondern auch für die Wirtschaft und letztendlich jeden Bürger, müssen diese Systeme bestmöglich gegen Ausfall oder Beeinträchtigung geschützt werden.
Daher hat die Luftwaffe im Jahr 2009 das sogenannte „Weltraumlagezentrum“ in Kalkar / Uedem aufgestellt. Aufgabe ist es zum Beispiel unter anderem, als Lage- und Frühwarnzentrum Warnungen herauszugeben, sollte eine Kollision zweier Satelliten drohen. Das Weltraumlagezentrum soll von derzeit drei Dienstposten auf rund 30 Dienstposten aufwachsen, darunter auch Vertreter der DLR-Raumfahrt-Agentur, des Innenministeriums und des Verkehrsministeriums. Dies entspricht ganz dem Gedanken des ressort-übergreifenden Ansatzes, wie er schon seit Jahren erfolgreich im „Nationalen Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum“ (NLFZSiLuRa) am gleichen Standort praktiziert wird.

Bei der Veranstaltung ging es nicht um Geschäftsinteressen, sondern um eine sachbezogene und frei von Unternehmensinteressen geführte Diskussion zu wesentlichen Aspekten, die allesamt einer detaillierten Betrachtung bedürfen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.
Die Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) bot sich als Mitveranstalter deshalb besonders an, weil sie als gemeinnützige Gesellschaft als neutrale Dialogplattform auftritt und damit ein Garant dafür ist, dass tatsächlich zielgerichtete, an den Interessen des Weltraumlagezentrums orientierte Gespräche stattfanden und keine Firmeninteressen im Vordergrund standen.

Fotos: Luftwaffe Kalkar