Kunstblut und echter Schweiß

In einem Bodenschacht war es in der Übung zu einem Schwelbrand gekommen. Ein Verletzter musste gerettet und versorgt werden.Kalkar. Wortfetzen fliegen durch die Luft: „Rucksack – Trage – Wärmebildkamera.“ Sie sind kaum zu verstehen – die Männer die sich unterhalten tragen schwere Atemschutzgeräte. Aber untereinander scheinen sie sich zu verstehen. Jeder Handgriff sitzt, ruhig und konzentriert arbeiten die Feuerwehrleute. Schweiß rinnt unter der Maske, der Atem geht schwer. Aber nachlassen tut keiner der Männer – das Leben von Menschen steht auf dem Spiel. Vor wenigen Minuten sind sie alarmiert worden: Ein Schwelbrand in einem Kabelschacht, mindestens eine verletzte Person, vermutlich ein Stromunfall.

Der laute Ausruf ‚Übungsende‘ unterbricht das Szenario. Der gerade noch Schwerverletzte steht auf, reibt sich das künstliche Blut aus dem Gesicht. Alles nur eine Übung, aber ein realistisches Szenario, welches sich so jeden Tag in der Untertageanlage auf dem Paulsberg in Uedem abspielen könnte. Hier befindet sich die Luftverteidigungsanlage UEDEM mit dem NATO-Luftverteidigungsgefechtsstand und der „Operationszentrale Luftwaffe“. Und weil sich hier eine Untertageanlage befindet, gibt es auch eine Berufsfeuerwehr.

„Wir haben ein festgeschriebenes Jahresprogramm an Ausbildungs- und Übungsvorhaben“ erklärt Brandmeister Stefan Krzywanski (42), der die heutige Übung vorbereitet hat und auch die anschließende Bewertung vornimmt. Kurz bevor es losgeht erhält Brandmeister Jens Steffen noch letzte Instruktionen. Der 38jährige besetzt heute die Zentrale, ist also für das Auslösen des Alarms verantwortlich und steht mit den Einsatzkräften vor Ort in Funkverbindung – auf seine Lagebewertung kommt es an, wenn zum Beispiel Verstärkungskräfte nachgeführt werden müssen. „Drei Minuten nach der Alarmierung müssen die Kräfte in der Untertageanlage sein“, so Steffen, „nach fünf Minuten müssen sie mit den ersten Maßnahmen begonnen haben.“

Obwohl diese Zeitvorgabe sehr sportlich ist, nehmen sich die Männer an der Brandmeldetafel noch Zeit sich mit den Örtlichkeiten ein letztes Mal vertraut zu machen. Das ist wichtig, weiß Brandmeister Krzywanski: „Die Anlage ist sehr verwinkelt, über zwei Ebenen und mit verschiedenen Brandabschnitten.“ Hinzu kommen die unter dem Boden und in den Decken verlaufenden Kabelschächte. Da muss jeder der Männer genau wissen in welchem Bereich der Brandherd liegt, oder der Verwundete vermutet wird.

Bei der anschließenden Nachbesprechung zeigt sich Brandmeister Krzywanski genauso zufrieden wie Hauptbrandmeister Hermann Langner. Der 50jährige ist der Wachleiter der heute im Dienst befindlichen Schicht. Alarmierung, die erste Kontaktaufnahme vom Einsatzort aus mit dem Disponenten, die Einteilung der Trupps – alles hat reibungslos geklappt.

Heute waren auch vier Auszubildende mit dabei. Einer der jungen Anwärter erzählt, dass er das erste Mal bei einem solchen Szenario in einer Untertageanlage dabei war: „Ich hab viel daraus mitgenommen.“ Die Ausbildung in Uedem ist nur einer von mehreren Ausbildungsabschnitten. Die zentrale Ausbildungsstätte für die Berufsfeuerwehrleute der Bundeswehr befindet sich in Stetten am kalten Markt. Dort befinden sich die Auszubildenden über acht Monate. Insgesamt sechs Monate werden an verschiedenen Bundeswehrfeuerwehren in Deutschland absolviert. „Eine dieser Ausbildungsfeuerwachen ist die in Uedem“, erklärt Hauptbrandmeister Langner nicht ohne Stolz. Der erfahrene Feuerwehrmann weiß, wie wichtig es ist qualifizierten Nachwuchs zu finden. „Durch die neuen EU-Arbeitszeitrichtlinien kann die vorgeschriebene Dienstantrittsstärke mit dem vorhandenen Personal nur schwer in allen Bundeswehrfeuerwehren abgedeckt werden“, so Langner. Aus diesem Grunde gibt es bundesweit Neueinstellungen.

Die Uedemer Feuerwehr verfügt derzeit über 55 Dienstposten und darf sich im kommenden Jahr auf ein neues, hochmodernes Gebäude freuen. Einen Steinwurf weit entfernt von der heutigen – die 1978 für eine Stärke von 21 Personen errichtet worden war – wächst zur Zeit der Rohbau der künftigen Feuerwache.
Interessenten die sich für eine Ausbildung bei der Bundeswehr-Feuerwehr interessieren können sich im Internet unter www.bundeswehr-karriere.de über die Einstellungsvoraussetzungen und das Bewerbungsverfahren informieren. Die Ausbildung für den mittleren Dienst dauert 18 Monate. Für Bewerber aus Nordrhein-Westfalen ist das Karrierecenter der Bundeswehr in Düsseldorf die erste Ansprechstelle.