Recht auf Girokonto für alle: Forderung der Caritas-Schuldnerberatung wird Gesetz

Kreis Kleve. Ab 19. Juni hat jeder Bürger ein Recht auf ein Girokonto – ein so genanntes Basiskonto. Eine seit vielen Jahren erhobene Forderung der Caritas-Schuldnerberatung wird damit endlich vom Gesetzgeber umgesetzt.

Wer heute über kein Girokonto verfügt, ist vom wirtschaftlichen Leben praktisch ausgeschlossen. Kaum ein Arbeitgeber erklärt sich heute noch bereit, den Lohn jeden Monat in bar auszuzahlen. Selbst die Anmietung einer Wohnung ist nahezu unmöglich, denn auch Vermieter nehmen ungern die Miete in bar entegegen. Ähnlich ist die Situation bei den Energiekosten für Strom und Heizung. Andrea Verhoeven, Schuldnerberaterin beim Caritasverband Geldern-Kevelaer, kennt solche Situationen: „Wir haben es immer wieder mit Klienten zu tun, die über kein Konto verfügen. Das sind zum Beispiel Menschen, denen die Hausbank das Konto gekündigt hat, oder auch Obdachlose oder Asylsuchende. Neu ist, dass die Menschen nun das Recht haben, ein neues Girokonto bei der Bank ihrer Wahl zu eröffnen.“

Mit dem neuen Basiskonto können Menschen über ein Konto verfügen, mit dem sie alle Grundfunktionen, die zur Teilnahme am Zahlungsverkehr nötig sind, nutzen können, wie Ein- und Auszahlungen, Überweisungen, Lastschriften und Daueraufträge. Die Basiskonten sind reine Guthabenkonten, verfügen also nicht über einen Überziehungsrahmen. Im Vergleich zu anderen Konten genießen Inhaber eines Basiskontos einen besonderen Schutz: Banken dürfen nur angemessene Entgelte für die Kontoführung erheben und die Kündigungsmöglichkeiten der Banken sind deutlich eingeschränkt. „Eine wichtige Voraussetzung, um den Weg der Entschuldung gehen zu können, ist für überschuldete Menschen die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr. Diese Möglichkeit ist durch das Recht auf ein Basiskonto nun gegeben“, sagt Schulderberaterin Andrea Verhoeven.

Die Schuldnerberater der Caritas sind in den Caritas-Centren in Geldern, Kevelaer und Straelen tätig und helfen jedes Jahr knapp 1000 Einzelpersonen und Familien, ihre finanzielle Situation wieder in den Griff zu bekommen. Für Menschen, die soziale Leistungen wie Grundsicherung oder Hartz IV bekommen, übernimmt der Kreis Kleve die Kosten der Schuldnerberatung. Weitere Informationen zur Schuldnerberatung der Caritas gibt es im Internet unter www.caritas-geldern.de/schuldnerberatung .