EU-Kommission lässt deutsche Bauern im Regen stehen

„Die EU-Kommission lässt bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einen Gleichklang zwischen den Anforderungen einer marktorientierten Landwirtschaft und den Leistungen für Umwelt- und Klimaschutz vermissen“, kommentiert Friedhelm Decker, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) den heute veröffentlichten Vorschlag der EU-Kommission zur Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik bis 2020.

Insbesondere das "Greening" der Direktzahlungen mit der Einführung neuer Prämienkomponenten, die an die Einhaltung relevanter Umweltanforderungen gebunden sind, bremse die dringend erforderliche Weiterentwicklung der hiesigen Landwirtschaft. „Die Herausforderungen der Welternährung, des Klimawandels und einer zukunftsfähigen Energieversorgung lassen sich nur mit einer modernen und effizienten Landwirtschaft meistern“, betont Decker.

In Deutschland sei im Gegensatz zu vielen anderen EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2005 ein „Grünes Agrarmodell“ eingeführt worden. „Als Ausgleich für vielfältige Umwelt- und Verbraucherschutzleistungen wurde ein Flächenprämiensystem auf den Weg gebracht“, erklärt der RLV-Präsident. Während die anderen Mitgliedstaaten bisher nur halbherzig die „Grünen Herausforderungen“ angenommen hätten, sei dies für rheinische Bauern gelebte Praxis.
Das angestrebte Greening und die geplante Umverteilung der begrenzten EU-Finanzmittel zwischen den Mitgliedstaaten könnten dazu führen, dass ein rheinischer Landwirt weniger Geld für gleiche oder höhere Umwelterfordernisse erhält als Berufskollegen in anderen Mitgliedstaaten. „Statt einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit steht am Ende eine einseitige Benachteiligung der deutschen Landwirte - ohne einen Mehrwert für die Umwelt“, kritisiert Decker.
„Die EU lässt unsere Bauern im Regen stehen!“ Sie habe es in ihrem Bericht versäumt, gegenüber den 27 Mitgliedstaaten auf die Verwirklichung der früheren Reformschritte mit dem Ziel einer einheitlichen Umsetzung der Agrarpolitik in allen Mitgliedstaaten zu drängen.

Foto: Andrea Bahrenberg