„teXellence ist in der Textilbranche ein Begriff!“

Nicht nur für den Präsidenten der Hochschule Niederrhein ist „teXellence“ ein Leuchtturmprojekt. Auch die Mitgliedsfirmen aus der Region sind zufrieden. In kurzer Zeit hat das textile Kompetenznetzwerk seit seinem offiziellen Start im November des letzten Jahres eine hohe Aufmerksamkeit erzielt.
Städte wie Mönchengladbach und Krefeld werden wieder als Textilstadt wahrgenommen. Wir sprachen mit Rudolf Haug, Dekan des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein, über das Kompetenznetzwerk und seine Möglichkeiten.
Herr Haug, im November 2009 hat das Kompetenznetzwerk teXellence seine Arbeit aufgenommen.

Wird teXellence in der Textilbranche bereits wahrgenommen?
Und wie! Wir bekommen Anfragen zu unserer Netzwerkinitiative aus ganz Deutschland. Viele Forschungsinstitute in Deutschland sind hellhörig und beäugen uns. Das ist ein gutes Zeichen! Die teXellence-Initiative ist so etwas wie ein Vorreiter. teXellence ist ein gutes Beispiel, wie Wissenschaft und Wirtschaft vernetzt werden kann.

Und Ihre Studenten?
Die Studierenden im Fachbereich kennen teXellence. Auch die anderen Fachbereiche der Hochschule Niederrhein verfolgen interessiert, wie es bei uns weitergeht. Die über teXellence angebotenen Exkursionen für die Studierenden in den Unternehmen waren ein voller Erfolg. Vor allen Dingen die ausländischen Studierenden haben die Chance genutzt, die textile Produktion in der Region unter die Lupe nehmen zu können.

Wie man hört, waren vor allen Dingen die Studenten aus Indien, Pakistan und Bangladesh sehr interessiert...
Wer in Asien mit der textilen Produktion in Berührung kommt, kennt Trützschler, Monforts, Oerlikon oder WUMAG. Die sind in ihren Segmenten allesamt Weltmarktführer. Die Region hat textile Kompetenz, die weltweit stark beachtet wird. Das ist vielen überhaupt nicht bewusst, aber im Ausland und vor allen Dingen in Asien wird das ganz anders wahrgenommen.
Die Textilbranche hat in Deutschland leider immer noch nicht den guten Ruf, den sie verdient. teXellence wurde auch geschaffen, um die große Bedeutung der innovativen Branche besser ins Bewusstsein zu rücken, wozu auch die Marketingaktivitäten des Partners WFMG beitragen.

Also hat Textil in Mönchengladbach und Krefeld eine Zukunft?
In der Tat! Ich glaube schon, dass sich die Textilwirtschaft weiter entwickelt und ihre Krise überwunden hat. Die Unternehmen, die überlebt haben, haben sich spezialisiert. Wir verfügen in der Region Niederrhein über ein riesiges Entwicklungspotenzial. Die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und den ansässigen Unternehmen ist beispielhaft.
Durch teXellence bringen die Unternehmen praxisorientierte Ideen in die Forschung ein. Das nehmen wir dankbar auf und entwickeln Lösungsansätze, die wiederum den Unternehmen zugute kommen. Ein Kreislauf, der Chancen eröffnet und Mönchengladbach und Krefeld noch attraktiver macht. Die hohe Anzahl an Studierenden, die sich im Fachbereich Textil und Bekleidung einschreiben wollen, unterstreicht die textile Bedeutung, die Mönchengladbach und Krefeld hat.
Durch teXellence zeigen wir den auswärtigen Studenten, dass nicht nur die textile Forschung einen hohen Stellenwert hat, sondern auch als Produktionsstandort. Das haben unsere Studenten erkannt.

Im September beginnt ein neues Semester. Steigt die Anzahl der Bewerber weiter an?
Erneut sind die Bewerberzahlen sehr positiv. Im letzten Jahr gab es über 1000 Bewerbungen, aber leider müssen wir bei 350 die Reißleine ziehen. Erfreulich ist die steigende Anzahl an Bewerbern, die ein Studium in den textiltechnischen Bereichen beginnen wollen.
Bisher dominierte der bekleidungstechnische Bereich, aber das Interesse an Ingenieur-Studiengängen in der Textiltechnik nimmt zu.

Weil die Berufschancen dort größer sind?
Das will ich nicht sagen, denn in der Regel bekommt jeder Student, der bei uns im Fachbereich einen Abschluss macht, ein Jobangebot. Fakt ist aber, dass in den textiltechnischen Bereichen der Fachkräftemangel bereits jetzt spürbar ist.
Das Problem wird sich weiter verschärfen. Die Zukunftsaussichten für unsere Absolventen sind also gut. Die Textilbranche verfügt über attraktive Arbeitsplätze in ausreichender Anzahl.

In den ersten Monaten wurden Problemstellungen definiert, die die Hochschule jetzt in Projekten und mit Unterstützung der Firmen in Angriff genommen werden. Die Textilmaschinenbauer haben beispielsweise das Thema „Energie“ als Projekt auserkoren. Ein Thema mit Entwicklungspotenzial?
Das Thema „Energieeffizienz“ umfasst mittlerweile alle Produktionsbereiche. Energie ist ein Thema der Zukunft. Insofern war ich nicht überrascht, dass die Textilmaschinenbauer in diesem Bereich Innovationen erzielen wollen. Wer Energieeinsparungen erzielt, verbessert seine Produktionsbedingungen. Vielleicht können wir hier einen Durchbruch erzielen, der langfristig allen Textilmaschinenbauern entgegen kommt. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Wie geht es nun mit teXellence weiter?
Das Forschungsfeld wurde abgesteckt. Wir haben verschiedene Projekte definiert, z.B. auch in den Bereichen Funktionalisierung von Textilien und der Globalisierung und wollen nun zusammen mit den Unternehmen Lösungsansätze erarbeiten. Des weiteren sollten wir uns als Initiative bemühen, den Kreis der Mitglieder zu erweitern.
Wir müssen noch mehr Know-How bündeln. Es gibt in der Region noch viele Unternehmen, die wir einbinden können, weil sie über eine hohe Kompetenz verfügen. teXellence entwickelt sich. Wir fangen gerade erst an!