EZB-Chef: Schwierigste Situation seit dem Zweiten Weltkrieg

Angesichts der Finanzmarktkrise und der Angriffe auf den Euro hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, von der "schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar seit dem Ersten" gesprochen. "Wir erlebten und erleben wirklich dramatische Zeiten", sagte Trichet dem "Spiegel".
Der EZB-Präsident erläuterte die akute Krise vor einer Woche, auf die die EU mit dem beispiellosen Milliarden-Rettungspaket für den Euro reagierte. "Die Märkte funktionierten nicht mehr, es war fast wie nach der Lehman-Pleite im September 2008".

Trichet wies auf die Gefahr einer "Ansteckung" der Griechenland-Krise hin. Dies könne "extrem schnell gehen, manchmal innerhalb weniger Stunden".

Als Konsequenz forderte der EZB-Präsident jetzt "einen Quantensprung in der gegenseitigen Überwachung der Wirtschaftspolitik in Europa". Nötig seien wirksame Sanktionen bei Verstößen gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt.
Wegen der drohenden Ausweitung der Griechenlandkrise auf andere Länder hatten die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) in der Nacht zu Montag einen Rettungsschirm für in Not geratene Euro-Staaten beschlossen.
Er sieht Kredite über bis zu 750 Milliarden Euro als mögliche Hilfen für angeschlagene Länder vor, Deutschland beteiligt sich mit 123 Milliarden Euro. Gleichzeitig griff die EZB zu einem bislang verpönten Mittel: Erstmals seit Gründung der EZB kauften europäische Notenbanken am Montag europäische Staatsanleihen, um massiven Spekulationen gegen die europäische Gemeinschaftswährung vorzubeugen.

 

Foto: (c) Nils Bremer