PCN: Schicht im Schacht für den Journalismus?

Diskussionsrunde beim Presseclub Niederrhein mit den Moderatoren Sigrid Baum (l.) und Thorsten Schröder (r.): (v.l.) Der “Ruhrbarone”-Blogger Stefan Laurin, der ehem. WAZ-Redaktionsleiter Rolf Lautenbach, der Kamp-Lintforter Landtagsabgeordnete René Schneider und der Blogger und Gewerkschafter Karlheinz Stannies (ehem. BILD-Redakteur) - Foto: Christian Voigt (cvo/NZ)Moers. Die Frankfurter Rundschau stellte im letzten November beim Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, einen Monat später erschien die Financial Times Deutschland das letzte Mal, im Februar war für 120 Redaktionsmitarbeiter der Westfälischen Rundschau der letzte Arbeitstag. Schicht im Schacht: Erleidet der Journalismus dasselbe Schicksal wie der Bergbau? Wie lange wird es noch dauern, bis die erste Redaktion am Niederrhein ihren Betrieb einstellt? Über Gründe für die Situation und Perspektiven für den Print-Journalismus diskutierten beim Presseclub Niederrhein (PCN) der “Ruhrbarone”-Blogger Stefan Laurin, der ehem. WAZ-Redaktionsleiter Rolf Lautenbach, der Kamp-Lintforter Landtagsabgeordnete René Schneider und der Blogger und Gewerkschafter Karlheinz Stannies (ehem. BILD-Redakteur).

Bei der Talkrunde, die von den PCN-Vorstandsmitgliedern Sigrid Baum und Thorsten Schröder moderiert wurde, sah Stefan Laurin vorrangig die demographische Entwicklung und das Internet verantwortlich für rückläufige Verkaufszahlen bei den Tageszeitungen. Dagegen beschrieb Rolf Lautenbach: „Wir haben keine Zeitungskrise, sondern eine Managerkrise.“ Bei den meisten Zeitungen gebe es keine Verleger mehr, vielmehr hätten Medien-Manager falsche Entscheidungen getroffen, obwohl geeignete Zukunftskonzepte zur Verfügung standen. „Zudem genießen Zeitungsverlage immer noch rechtlich den Tendenzschutz, der eine Offenlegung der Betriebs- und Wirtschaftsverhältnisse, sowie betriebliche Mitbestimmung verhindert“, so Lautenbach weiter.

Durch Blogs, Online-Foren und Soziale Netzwerke geht die traditionelle publizistische Wirkungsweise der Massenmedien verloren, resümiert der Medienpolitiker Schneider, der selbst Journalismus studiert hat. Schneider zitierte einen ehemaligen Dozenten: „Zeitung ist das, wo morgens der Fisch drin eingewickelt wird.“ Zu den genannten Gründen und Entwicklungen verwies Karlheinz Stannies auf das Leseverhalten von Jugendlichen: „Zeitungen sind langweilig, das Internet ist reizvoller und kostenlos.“ Einen perspektivischen Königsweg um aus der Krise heraus zukommen, sah keiner der vier Experten. Politische und gesetzgeberische Eingriffe oder Subventionen fanden wenig Zustimmung.

Mit großer Sorge wurden die beruflichen Aussichten für junge Journalisten betrachtet, da immer mehr feste Redaktionsstellen in freie Mitarbeit umgewidmet werden. Dieses geschiehe damit die Verlagsmanager weiterhin Renditen von 10 bis 20 Prozent erzielen können, war sich die Talk-Runde einig. Stannies brachte es drastisch auf den Punkt: „Rat an junge Journalisten: Macht Einzelkämpfertraining und lernt Taxi-Fahren.“ Auch die abschließende Diskussionsrunde mit den zahlreichen Gästen des Presseclubs erbrachte keinen eindeutigen Lösungsweg, aber viele engagierte Verbesserungsvorschläge.

cvo/NZ