Schon geringe Mengen an Zucker können der Gesundheit schaden

Bereits wenige Gramm Zucker am Tag können ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. Das geht aus der jüngsten Empfehlung der EU-Lebensmittelbehörde EFSA hervor. Es sei „nicht möglich, eine sichere Aufnahmemenge“ für Zucker zu definieren, erklärte das Expertengremium – weder für zugesetzten Zucker in Limonaden noch für natürlich vorkommenden Zucker, wie etwa in Säften. Das Risiko für zahlreiche gesundheitliche Probleme, wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden, steige mit zunehmendem Zuckerkonsum an. Die Aufnahme von Zucker soll laut EFSA deshalb so gering wie möglich gehalten werden. Angesichts der alarmierenden Forschungsergebnisse forderte die Verbraucherorganisation foodwatch eine Limonaden-Steuer sowie eine Beschränkung von Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel.

„Das Fazit der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde ist eindeutig: Zucker macht krank – auch schon in geringen Mengen. Gleichzeitig essen vor allem Kinder jetzt schon zu viel Süßkram. Die Folgen sind Übergewicht und ein erhöhtes Risiko für Adipositas und Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter“, sagt Saskia Reinbeck von foodwatch. „Die Lebensmittelindustrie ködert Kinder und Jugendliche mit krankmachenden Zuckerbomben. Dafür beauftragt sie bekannte Social-Media-Influencer und druckt bunte Comicfiguren auf die Verpackungen. Damit muss endlich Schluss sein. Die Bundesregierung muss die Lebensmittelindustrie in die Verantwortung ziehen und Werbung für überzuckerte Produkte deutlich beschränken.“ Erst im Februar forderte ein breites Bündnis von Fachorganisationen, Ärzteverbänden und Verbraucherschutz die Koalition dazu auf, zum Schutz von Kindern und Jugendlichen umfassende Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel zu erlassen. Für Rundfunk und Online-Medien sprechen sich die Expert:innen für eine Junkfood-werbefreie Zeit zwischen 6 und 23 Uhr aus.

Für Plakatwerbung sollte eine 100-Meter-Bannmeile im Umkreis von Kitas, Schulen und Spielplätzen gelten. Gesunde Lebensmittel, die die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfüllen, sollen von den Verboten nicht betroffen sein. Die Bewertung der EFSA geschah auf Initiative der Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden, die 2017 den Antrag stellten, die potenziellen Gesundheitsrisiken für Verbraucher:innen durch eine übermäßige Aufnahme von Nahrungszucker erneut zu bewerten. Zwischen 2018 und 2021 sichtete und bewertete die EFSA daraufhin rund 30.000 Publikationen zum Thema.

Besonders eindeutig fallen die Ergebnisse der Wissenschaftler zum Konsum zuckerhaltiger Getränke aus: Wer Zucker gesüßte Getränke konsumiert, nimmt mehr zugesetzte Zucker zu sich, als Personen, die andere Lebensmittel konsumieren. Gleichzeitig stehen besonders viele Stoffwechselerkrankungen in Zusammenhang mit dem Konsum der süßen Getränke, darunter auch Schwangerschaftsdiabetes und Mangelgeburt.

„Vor allem süße Getränke schaden der Gesundheit massiv. Das wissen wir bereits seit Jahren – und trotzdem schütten die Hersteller weiter massenhaft Zucker in die Getränke. Wir dürfen nicht darauf hoffen, dass die Unternehmen freiwillig etwas ändern – sie machen schließlich enorme Profite mit den flüssigen Krankmachern“, so Saskia Reinbeck. „Die Bundesregierung muss eine Limo-Steuer nach britischen Vorbild auf den Weg bringen, die den Herstellern einen Anreiz gibt, weniger Zucker in ihre Getränke zu tun.“

foodwatch fordert bereits seit längerem die Einführung einer Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens. Dort haben Getränkehersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich heruntergeschraubt – seit Einführung der Steuer 2015 um etwa 35 Prozent. In Deutschland ist nach wie vor etwa jedes zweite Erfrischungsgetränk mit mehr als fünf Gramm pro 100 Milliliter überzuckert. Während in Großbritannien eine Fanta von Coca-Cola 4,6 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält, liegt der Anteil einer deutschen Fanta bei knapp 8 Gramm.

Quellen und weiterführende Informationen:
Zusammenfassung der Ergebnisse der EFSA
Wissenschaftlicher Report der EFSA (englisch)
Nachricht der EFSA zur Veröffentlichung (englisch)
Fachallianz DANK zu Werbebeschränkungen