Immer mehr Kinder- und Jugendliche psychisch krank

Essstörungen, Abhängigkeiten, Depressionen - immer mehr Kinder- und Jugendliche brauchen psychiatrische und psychotherapeutische Hilfen. Neueste Untersuchungen des Berliner Robert Koch-Institut zeigen, dass in Deutschland schon jedes 15. Kind unter 18 Jahren behandlungsbedürftig psychisch krank ist.

Rund ein Viertel dieser Altersgruppe zeigt psychische Auffälligkeiten. Die Fachtagung "Psychisch kranke Kinder und Jugendliche - Anforderungen an ein vernetztes Hilfesystem", die vom Landesjugendhilfeausschuss und Gesundheitsausschuss des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) gemeinsam initiiert wurde, beleuchtete die bestehenden Versorgungsstrukturen, zeigte aber auch Wege für Verbesserungen auf.
Das öffentliche Interesse an dem Thema Psychisch kranke Kinder und Jugendliche - Anforderungen an ein vernetztes Hilfesystem" war groß. Den Fragen der Medien stellten sich v.l.n.r.: Dr. Birgit Lambertz (Fachliche Direktorin Jugendhilfe Rheinland), Prof. Dr. Jürgen Rolle (Vorsitzender Landesjugendhilfeausschuss), Ulrike Lubek (LVR-Dezernentin Klinikverbund und Heilpädagogische Hilfen), Katharina Landorff (LVR-Pressereferentin, Andrea Asch (Vorsitzende des Gesundheitsausschusses), Prof. Dr. Johannes Hebebrand (Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie LVR-Klinikum Essen) und Michael van Brederode (LVR-Fachbereichsleiter Planung, Qualitätssicherung und Innovationsmanagement, nicht im Bild).

Die frühzeitige Erkennung und bedarfsgerechte Behandlung von psychischen Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter stellt eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Aber nicht nur dort: Psychisch kranke Kinder- und Jugendliche werden häufig durch die Einrichtungen der Jugendhilfe versorgt, sie sind Schülerinnen und Schüler.
Und die Betroffenen leben in Familien, die häufig ebenfalls Unterstützung benötigen. Die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher ist eine gemeinsame Vernetzungsaufgabe unterschiedlicher Systeme, die in Zukunft effektiver vernetzt werden müssen, lautet ein Fazit der Fachtagung.
"Es ist heute deutlich geworden, dass eine zeitgemäße, erfolgreiche kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung die Betroffenen möglichst früh erreicht und flexible Behandlungskonzepte braucht," stellten Andrea Asch, stellvertretende Vorsitzende des Landesausschuss der Landschaftsversammlung Rheinland, und Prof. Dr. Jürgen Rolle, Vorsitzender des Landesjugendhilfeausschusses, fest.

Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter haben oft einen nachhaltigen Einfluss auf die schulische und berufliche Ausbildung und damit auf das weitere Leben. Unbehandelte psychische Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter führen häufig zu schwerwiegenden psychischen Störungen im Erwachsenenalter. Nach vorliegenden Schätzungen nehmen derzeit nur maximal die Hälfte der betroffenen Kinder- und Jugendlichen die erforderlichen Hilfen in Anspruch.
Die Gründe hierfür sind vielfältig, ebenso wie die Überlegungen und Forderungen der Fachleute, die auf eine Verbesserung der Hilfemöglichkeiten zielen. In ihrer Schlussbetrachtung skizzierten Asch und Rolle die "Problemzonen" und den Handlungsbedarf: "Minderjährige brauchen mehr ambulante Komplexangebote, mehr Tageskliniken mit wohnortnahen Behandlungsangeboten und vernetzte Angebote der Kinder- und Jugendpsychiatrie."
Der Landschaftsverband Rheinland wird mit der Förderung von zwei Modellprojekten zur Verbesserung der Vernetzung zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendhilfe einen Beitrag zur Optimierung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen leisten. An den Standorten Essen und Bedburg-Hau soll die bisherige Versorgung verbessert werden," konnte Ulrike Lubek, LVR-Dezernentin Klinikverbund und Heilpädagogische Hilfen, im Rahmen der Fachtagung bekannt geben.
Teilnehmer der ganztätigen Fachtagung waren ca. 200 Fachleute aus Jugendämtern, Einrichtungen der Jugendhilfe, Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater sowie niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Psychologische Psychotherapeuten sowie Vertreter der politischen Vertretungen und des Landschaftsverbandes Rheinland.

 

 

Foto: LVR