„Cappuccino mit Wellengang“

Kreis Kleve – Triest – Grado – „Sie sind uns willkommen – Sie alle“, prostete Livio Tolloi den 16 Journalisten vom Niederrhein zu. Der dunkelhaarige Brillenträger ist der erste Mann am Strand von Grado.
Er ist Herr über mehr als 100 Liegestühle im weißen Sand des italienischen Badeortes, managt sicherlich mehr als 200 Tische und ein Mehrfaches an Stühlen, sorgt für blitzsaubere Umkleiden und eine Atmosphäre, die das herrliche Fleckchen Erde irgendwo zwischen Venedig und Triest zum lohnenswerten Reiseziel macht.

Er ist die Freundlichkeit in Person. Er scheint dem Saisonauftakt entgegen zu fiebern – und zumindest zu vermuten, dass die neue Flugverbindung vom Airport Weeze nach Triest auch ihm nachhaltig gute Zeiten bescheren dürfte.
Nicht einmal zwei Stunden ist man in der Luft von Weeze bis Triest – und nicht lange dauert es, bis der Mann, den sie hier alle Livio rufen, den „Cappuccino mit Wellengang“ serviert.

Mittleres Preisniveau
Von einem „mittleren Preisniveau“ spricht Linda Marcuzzi im Kreis der Mitglieder des Presseclubs Kleve. Die PR-Frau für die Region Friaul-Julisch und Venetien hat sich für 48 Stunden den niederrheinischen Gästen gewidmet.
Sie war dabei, als man im Novo Hotel Impero in Triest eincheckte, als man gebratene und panierte Sardinen kostete, Stockfisch nach Triestiner Art, Fischbrühe und Scampi alla Busara auf der Zunge zergehen ließ.

Zwischen dem Weiß der Karstlandschaft und dem Blau des äußersten Zipfels der Adria lobte sie das Fleckchen Erde als die Region, in der Osten und Westen aufeinander stoßen. Wohl auch deshalb spricht man ihr eine kosmopolitische Seele zu, die Offenheit zeigt für Kulturen, Sprachen und Traditionen.
Als ein Zeugnis für dies alles gilt das Schloss Miramare, das täglich Hunderte von Besuchern zählt und immer wieder auch Drehort für Filme wird, in denen Hoch-Herrschaftliches in Plüsch und Pomp geliefert wird. Zugegeben: Es liegt herrlich, ist von drei Seiten mit Wasser umgeben und liefert jedem Gast den Beweis dafür, dass nicht immer alle Menschen gleich gewesen sind.

Anders ist dies in der geradezu idyllischen Straßenbahn von Opicina, die Jung und Alt, Arm und Reich aus dem Innern Triests hinauf fährt zu einem der schönsten Wanderwege, die angereiste Niederreiner sich vorstellen können.
Gut drei Kilometer weit geht es mit unaufhörlichem Weitblick aufs tiefblaue Meer. Drei Kilometer zum Reden, drei Kilometer zum Träumen, drei Kilometer zum Seele baumeln lassen hoch oben über Triest.

Seele baumeln lassen
Nach ausgeprägtem Spaziergang lohnt die Einkehr in eines der vielen Gasthäuser, die jene Art von Bescheidenheit zeigen, wie ein guter Wein, eine Schinkenplatte, ein deftiges Stück Käse sie fordern. Auch hier gehört es dazu, den Fremden mit jener Offenheit zu begegnen, die der Region Sympathiepunkte bringt. Deutliche Punktgewinne allerdings liefern auch Stippvisiten in Erlebniswelten, wie sie die Tenuta di Blasig eine bietet.
Sie ist eines der ältesten Weingüter Friaul-Julisch Venetiens und seit 1788 im Besitz derselben Familie in Ronchi di Legionari. Tenuta di Blasig ist auf den internationalen Märkten präsent – doch wohl erst dann wirklich einzigartig, wenn man in der grünen Oase, inmitten des Ortes Ronchi, den Weißen oder den Roten über die ureigenen Lippen bringt.
Hier kann man die dicken hölzernen Fässer erleben, die den Wein in die Jahre begleiten. Hier gibt es die persönliche Ansprache mit österreichischem Akzent, die im Umfeld von Triest und Grado immer wieder zu hören ist. Nicht wenige sind es, die aus Österreich kommend hier in Friaul-Julisch Venetien „hängen“ geblieben sind: ob aus Liebe – oder aus Liebe zur Landschaft. Da war sich Livio Tolloi – der Mann mit den vielen Liegestühlen und dem „Cappuccino Wellengang“ – nicht ganz sicher.

Fotos: WFG Kevelaer