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Tötungsdelikt an einer 22 jährigen Frau in Kleve - Mutmaßlicher Täter nun festgenommen

Am 09.11.2009, gegen 06.50 Uhr, meldete sich eine Frau aus Kleve fernmündlich bei der Rettungsleitstelle. Sie teilte mit, dass sie gerade zuvor einen Anruf von ihrem Sohn erhalten habe. Dieser habe ihr mitgeteilt, dass er seine Ehefrau getötet habe.
Wenige Minuten später trafen Beamte der Klever Polizei am Einsatzort, Siegertstr. 18 in Kleve, ein. Sie gelangten in das Mehrfamilienwohnhaus und fanden die Wohnungstüre offen. In der Wohnung trafen sie den 21jährigen Wohnungsinhaber an und nahmen ihn fest. Er machte zunächst keine Angaben und schien möglicherweise unter Drogeneinwirkung zu stehen.

Im Wohnzimmer wurde die 22jährige Ehefrau auf dem Boden liegend aufgefunden. Sie lag in einer großen Blutlache und war offensichtlich getötet worden. Ein blutiges Küchenmesser wurde in der Wohnung gefunden.
Im Schlafzimmer wurde der 8 Monate alte Sohn der Eheleute entdeckt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, war aber gänzlich unversehrt. Das Kind wurde in die Obhut des Jugendamtes übergeben.

Die Ermittlungen wurden durch die Mordkommission Krefeld, unterstützt durch Kriminalbeamte des Landrates Kleve, aufgenommen. Es wurde festgestellt, dass der 21jährige seit 2005 in Deutschland lebt. Er ging zuletzt keiner Arbeit nach. Seit 2008 war er mit seiner 22jährigen Ehefrau verheiratet und hatte die Wohnung erst Mitte des Jahres bezogen.
Bereits im Juli und August dieses Jahres hatte es fünf Polizeieinsätze bei der Geschädigten und dem Tatverdächtigen gegeben. In drei Fällen erklärten die Eheleute jeweils glaubhaft gegenüber der Polizei, dass sich die verbalen Streitigkeiten bereits erledigt hatten.

Am 8. August 2009 rief eine Nachbarin die Polizei, weil die 22-Jährige vor ihrem prügelnden Ehemann in die Nachbarwohnung geflüchtet war. Außerdem gab die Geschädigte an, von ihrem Mann gewürgt und bedroht worden zu sein.
Der 21-Jährige verließ freiwillig die gemeinsame Wohnung, um bei seinen Eltern zu übernachten. Die Frau beabsichtigte am nächsten Tag mit ihrem Mann im Beisein ihrer Schwiegereltern zu reden und den Vorfall zu klären. Von der Polizei wurde ein Strafverfahren wegen Körperverletzung gegen den 21-Jährigen eingeleitet.

Am 19. August 2009 bedrohte der Mann seine Frau an der Wohnung seiner Eltern mit einem Küchenmesser. Er ließ sich von seiner Mutter beruhigen und von ihr das Messer abnehmen. Durch die eingesetzten Polizeibeamten wurde er festgenommen. Das zuständige Ordnungsamt und ein Arzt wurden auf der Polizeiwache Kleve hinzugezogen.
Nach medizinischer Bewertung wurde der Mann in die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie eingewiesen. Nach diesem Vorfall wurde von der Polizei eine Anzeige wegen Bedrohung vorgelegt.

Die Zwangseinweisung wurde nach richterlicher Anhörung nach einigen Tagen aufgehoben. Anschließend war der 21jährige in einer Suchtambulanz in Behandlung. Es wurde eine durch regelmäßige Drogeneinnahme ausgelöste Psychose diagnostiziert. Der junge Mann litt unter Halluzinationen und Verfolgungswahn. Er konsumierte regelmäßig Amphetamine. Diese können Ängste - aber auch Aggressionen - auslösen.
So fühlte sich der Mann zeitweise auch von der Mafia verfolgt und glaubte, auch seine Frau sei damit im Bunde. Die Ehefrau und die Familie hatte trotz der Vorfälle zu ihm gehalten und auf eine Heilung gehofft.

Den Ermittlungen zu Folge dürfte sich die Tat vermutlich am Abend des 08.11.09 in der gemeinsamen Wohnung ereignet haben. In seiner Vernehmung durch Beamte der Mordkommission räumte er ein, seine Frau getötet zu haben, ohne auf die näheren Umstände einzugehen.
Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Kleve erfolgte am 10.11.09 die Obduktion in der Rechtsmedizin. Als todesursächlich wurden eine Schnittverletzung und eine Vielzahl von Stichverletzungen festgestellt.

Der Leiter der Mordkommission, Erster Kriminalhauptkommissar Gerd Hoppmann, erklärte: "Es wurden der jungen Frau deutlich mehr Verletzungen zugefügt, als für eine Tötung erforderlich gewesen wären."
Darüber hinaus wurden an einer Hand Schnittverletzungen, typische Abwehrverletzungen, festgestellt. Staatsanwalt Schulte von der StA Kleve beantragte einen Unterbringungsbefehl für den Tatverdächtigen, der heute dem Haftrichter vorgeführt wurde.
Es wurde ein Unterbringungsbefehl wegen Mordes (Merkmal grausame Tatbegehung) erlassen.

 

 

Bild: Archiv