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SSV Lüttingen erhielt 1000 Euro als Preis für vorbildliche Arbeit in der Krebsnachsorge

Als Christa Wilhelmi vor 15 Jahren die Krebsnachsorgegruppe „Die Optis“ ins Leben rief, war der Krebs noch eine Krankheit mit wenigen Heilungschancen.
„Bis heute hat sich das glücklicherweise verändert“, erzählt Wilhelmi, die sich regelmäßig mit 21 Betroffenen in der Sporthalle in Lüttingen trifft und ihnen versucht zu helfen den Krebs, die Behandlung und ihr dadurch verändertes Leben besser zu bewältigen. Der Tod ihrer Mutter, die relativ jung an Krebs starb, brachte den Impuls, eine solche Sportgruppe zu gründen.

Die gelernte Erzieherin leitete beim SSV Lüttingen schon verschiedene Kinderturngruppen bis ihre eigenen drei Kinder groß waren und sie etwas Neues suchte. Mittlerweile darf sie sich durch Weiterbildungen auch Entspannungspädagogin und Marma-Yoga-Lehrerin nennen.

Die Sportstunden haben vor allem das Ziel, die eingeschränkten Funktionen durch Dehnübungen und Lockerungen zu verbessern. „Die Übungen dienen zum Beispiel zur Linderung der typischen Beschwerden im Schulter-Arm-Bereich nach einer Brustkrebsoperation“, erklärt die Fachübungsleiterin. Ebenso sei es wichtig, den Herz-Kreislauf und das Immunsystem zu trainieren und zu stärken.
Weiter meint die zweifache Großmutter: „Wir treiben nicht nur Sport, sondern greifen auch die psycho-sozialen Aspekte auf“. Dazu gehören zum Beispiel der Angstabbau und der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen. „Es ist wichtige, dass meine Gruppenmitglieder wieder ihr Selbstvertrauen aufbauen und erkennen, wie sie sich selbst helfen können“.

Neben verschiedenen Informationsabenden, in denen Ärzte, Heilpraktiker oder Psychologen informieren, stehen auch die Gemeinschaft und die Kommunikation im Mittelpunkt. So setzt sich die Gruppe von Christa Wilhelmi nach dem sportlichen Teil immer gemeinsam in einen Kreis, um zu reden. Gemeinsame Ausflüge stehen ebenfalls auf dem Programm und alle fünf Jahre ist sogar eine Tour mit Übernachtung geplant.
Dieses Jahr klappt dies allerdings nicht: „Wir haben leider viele wieder Erkrankte in der Gruppe, sodass eine Übernachtung nicht möglich ist“, erzählt die Leiterin betroffen. „Es gibt ein Kommen und Gehen bei uns. Das Thema „Tod“ ist in unserer Gruppe kein Tabu“, sagt sie weiter.

Christa Wilhelmi macht, wie sie erzählt, jeden Tag einen Termin mit sich selbst, um „selber wieder aufzutanken“. „Sobald ich nach Hause komme, kann ich natürlich nicht einfach abschalten“, berichtet die Xantenerin, der auch der Austausch mit anderen Kolleginnen hilft. Der Zusammenhang in der Gruppe sei enorm, sodass man sich auch privat treffe. „Aber wir akzeptieren auch die Entscheidung, wenn jemand sich von der Gruppe trennen möchte oder nur noch durch Briefe mit uns kommuniziert“, sagt Wilhelmi, die eine Kursteilnehmerin aber auch schon bis zum Ende begleitet hat.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch schöne Erfahrungen. „Der Kontakt zu den Geheilten reißt nicht ab und gibt uns allen Mut und Hoffnung.“

Info: Als Christa Wilhelmi 1993 die Krebsnachsorgegruppe gründete, gab es nur in Kamp-Lintfort eine weitere. Mittlerweile gibt es auch in der näheren Umgebung mehrere Angebote. Wilhelmi ist ausgebildet für den Sport in der Prävention und Rehabilitation mit dem Schwerpunkt „Sport in der Krebsnachsorge“.
Die Größe der Gruppe ist auf 15 Teilnehmer beschränkt. Die Übungszeiten sind freitags von 16.30 Uhr bis 18 Uhr in der Turnhalle Lüttingen. Ansprechpartnerin Christa Wilhelmi

 

 

Bild: SSV Lüttingen